... hatte ich demnach keine Zeit die Tour gut zu
organisieren, so hatte ich leider nur meine Kamera mit und keine Landkarte
dabei. Bis mittags um vier war ich beschäftigt, dann schaute ich aufgrund der
plötzlich sehr raschen Konvektion über dem Südscharzwald auf das Radar und
konnte die schnelle Entwicklung eines Gewitterkomplexes von den Vorhalpen heraus
in´s östliche schweizer Mittelland hinein beobachten. Gegen 16:15 Uhr war von
Extremniederschlägen bzw. langlebigen Zellen noch nicht viel zu sehen, nur eine
Zelle südöstl. von Zürich hatte erste gelbe Niederschlagsechos auf dem
ETH-Radar. Jedenfalls schien mir das Grund genug diese Entwicklung mit dem Auto
zu verfolgen oder ihr den Weg abzuschneiden, letztendlich war ersteres aufgrund
der sehr langsamen NW-Zugrichtung möglich. Die recht starke Windscherung
oberhalb von 850 HPa war bereits in vielen Cu congesti zu beobachten, deren
untere Drittel hatten Drehstrukturen (auf Kamera festgehalten).
Gegen 16:30 Uhr brach ich schließlich in Bad Säckingen auf. Zu dieser Zeit überdeckte
bereits ein großer Anvil den östlichen Himmel, aufgrund der sehr feuchten Luft
war allerdings auch keine gute Sicht möglich (schlecht für hochwertige
Bilder), Konvektion war nur in Richtung SO zu vermuten. Aus diesem Grund fuhr
ich innerhalb einer guten Stunde in diese Richtung durch das Fricktal über den
Bözberg, Autobahn bei Baden und schließlich wieder Landstraße östl. davon in
die Regio nord/nordöstl. von Zürich. Die Fahrt war recht spektakulär: ab
Frick verschwand die Sonne unter dem Ci-schirm der Cbs und schon wenige
Kilometer weiter fing es an zu regnen, erst leicht, mit der Zeit mäßiger und
schließlich auf dem Bözberg oben schließlich recht heftig mit Windböen aus
unterschiedlichen Richtungen - erste Blitze waren bereits ab Frick (16:40 Uhr)
zu beobachten, auf dem Bözberg (16:55 Uhr) vorübergehend mit bis zu zwei
Einschlägen/min. Dort klarte der Himmel kurzzeitig von W her auf und eine
interessante Aussicht offenbarte sich in Richtung SO (Baden/Zürich): ein sehr
großer Cb-Komplex wurde kurz sichtbar mit auffälligen Drehstrukturen im
unteren Drittel, jedoch nicht an der Basis. Da dieser noch etwas zu weit
entfernt war konnte man die Rotation leider nicht mit bloßem Auge verfolgen,
soweit diese dort überhaupt vorhanden war - sehr auffällig war´s jedenfalls
schon (ebenfalls auf Kamera festgehalten - hoffentlich erfolgreich bei der
Sicht). Könnte das die eventuell von Willi Schmid beobachtete Vortex-Struktur
gewesen sein? Dies bewirkte meine Entscheidung ohne große Ortskenntnisse und
Straßenkarte dorthin zu fahren. Unterhalb des Bözberges wechselte ich vor
Baden auf die Autobahn in Richtung Zürich (Baden ca. 17:10 Uhr, war noch
einfach zu finden, obwohl ich Baden im WZ-Forum zuerst mit Brugg verwechselte -
peinlich), dann hinter Baden wieder auf eine Landstraße in Richtung Osten, wo
der Himmel am bedrohlichsten aussah. Die Entscheidung östl. von Baden
weiterzufahren war schwer, ständig gab es Starkregen und kurze
"Kleinhagel"perioden sowie vereinzelte Windböen aus NO und daraus
resultierende Sichteinschränkungen (an Bilder war nicht zu denken, Videokamera
wäre besser gewesen). Das Zentrum dieser Zelle konnte ich nur durch noch
tiefdunkleren Himmel mit teils schwefelgelb-braunen Fallstreifen erkennen - dort
angekommen auf einer landwirtschaftlichen Kulturfläche (Ortsnamen durch sehr
schwierige Verhältnisse leider nicht beachtet) stellte ich gegen 17:30 Uhr den
Wagen ab und ließ das Zentrum über mich hinüberziehen. Windböen (kein
Sturm), hohe Blitzfrequenzen, kleine Sturzbäche, grossflächiges Aquaplaning, und
kurzzeitiger starker Hagelschlag (Korngröße 1 bis 2cm) sowie Sichtweiten um
die 150-200m waren die Folge. Gegen 17:45 Uhr ließ dies recht schnell nach und
sogar die Sonne kam bei noch starkem Regen zum Vorschein - die Zelle erschien
tiefschwarz und eine sehr tiefe Basisstruktur (shelf-cloud womöglich - im
Endstadium bei Starkregen fotografiert) erschien für einige Minuten. Rotation
war schon durch die Fallstreifen nicht auszumachen.
Gegen 18:00 Uhr entschloss ich mich trotz Erscheinen eines neuen großen Cbs im
SO der alten Zelle in einiger Entfernung hinterherzufahren und bei Waldshut
wieder in Richtung Bad Säckingen zu drehen. Erst dort konnte ich detailliert
die ganze beeindruckende aber auch schon teils zerfallende Südstruktur der
Zelle erkennen und ebenfalls fotografieren - ein Bild mit schönen Mammatus-Wolken
und einem Regenbogen war ebenfalls möglich. Zu Hause angekommen schaute ich mir
alles nochmals auf dem Radar an und verfolgte bis in den frühen Abend die
weitere Entwicklung...
Die Bilder dazu:
![]() Trichterwolke gesichtet ! ! ! Geschrieben von: Michael Graf, Ermatingen (480 m) Datum: Freitag, 4 Mai 2001 21:07 Als das Gewitter Ermatingen erreichte, hatte es sich bereits deutlich abgeschwächt. Es hatte sich in zwei Teile aufgeteilt. Einer zog südlich von uns vorbei in Richtung W, der andere stärkere Teil östlich von mir in Richtung Nord. Als ich so dabei war das Gewitter im Osten, welches eine sehr hohe Blitzaktivität aufwies, zu beobachten, fiel eine sehr dunkle, tiefliegende Wolke auf. Plötzlich fielen mir Wolkenfetzen auf, eigentlich nichts ungewöhnliches, doch diese schienen aufzusteigen und wiesen eine Drehbewegung auf. Wenige Sekunden danach stülpte sich aus der Wolke ein Trichter herab. Sofort holte ich den Fotoapparat. Doch wie kann es anders sein, als ich wieder zur Stelle war, konnte man das Ereignis kaum mehr erkennen. Ich wartete ab und immer wieder stiegen Wolkenfetzen auf. Auch bildeten sich immer wieder kleine Trichterwolken (funnel clouds), die man aber nicht fotografieren konnte, weil sie zu weit entfernt waren. Doch das warten hat sich gelohnt. Plötzlich kam ein deutlich sichtbare Trichter aus der Wolke hinab und Sekunden später bildete sich noch ein Zweiter. Ich denke nicht, dass die Wolke bis zum Erdboden reichte, also handelt es sich nicht um einen Tornado, aber es war nahe dran. Natürlich habe ich ein Foto gemacht, welches ich so bald als möglich hier im Forum veröffentliche. Ich hoffe, es ist was draus geworden. Übrigens kann man auf einer Radaranimation auf der schweizer Radarseite mehr oder weniger deutlich die Drehung der Gewitterzelle sehen. |