Mai 2001: Bericht von Thies Stillahn zum Gewitter über Basel, Jura
... viel interessanter und aufregender war die Jura/Hochrhein/Hotzenwald/Südschwarzwaldzelle
vom frühen Abend (zwischen 19:30 und 20:30
Uhr) vom Mittwoch, den 16.5.. Ich schreib Dir einfach mal einen Bericht
zu dieser (Super)Zelle und dem damit verbundenen "Kurzchasing". Zuvor waren
Bernhard Oker und ich uns gemäß den fast fantastischen Bedingungen (bis auf
den Jetstreak und neuer Warmluft in der Höhe) einig, es schon nachmittags nach
Entwicklung der ersten recht intensiven Schwarzwaldzelle mit einem Chasing am
Hochrhein in Richtung Basel/Lörrach und in der Umgebung nördl. von Zürich zu probieren.
Zwei Gewitterregen bzw. einen schwachen Gewitterschauer konnten wir beobachten
und durchfahren, doch das war´s auch erst mal... Gegen
19:00 Uhr zu Hause angekommen schaute ich auf das Radar, um die Gewitterentwicklung
des Tages nochmals zu resümieren, an dem hauptsächlich in der
Region Basel/Südschwarzwald die etwas intensiveren Zellen durchzogen und die restlichen
Gebiete wohl durch den Jetstreak und den noch aktiven Föhn fast gewitterfrei
blieben. Auch bei mir in Bad Säckingen gab es nur einen kurzen aktiven
Gewitterschauer ohne besondere Vorkommnisse. Jedenfalls fiel mir auf dem ETH-Radar
eine anschauliche Gewitterzelle bei Basel auf, welche sich mit recht hoher
Geschwindigkeit vom Jura her in Richtung Hochrhein/Hotzenwald bewegte - trotz
der sehr guten Bedingungen für intensive Gewitter ignorierte ich vorerst die
Gedanken an eine kurze Gewittertour (MeteoRadar zeigte inzwischen Extremniederschlag)
und baute mit den ersten Donnern mein Stativ auf, um einige Blitze
zu fotografieren, die Zelle musste inzwischen im Raum Rheinfelden (dort erster
Hagel) angekommen sein (ca. 19:30 Uhr oder etwas später). Nach einigen Minuten
schien sich die Zelle sehr schnell zu intensivieren: eine noch weit entfernte
Gust Front entwickelte sich und ein (diese Erscheinung ist mir noch nie
aufgefallen) langgezogener schwefelgelber schmaler, diagonaler, mehrere Km langer
Streifen im Bereich der inzwischen sehr dunklen Basis trat für kurze Zeit auf.
Im Nachhinein war dies wohl die Obergrenze eines ausgeprägten Inflow Tails, der
an dieser Stelle im Südteil der Zelle in das Gewitter hineinzog. Das Gewitter
war zu dieser Zeit etwas nördl. von Schwörstadt angekommen (dort fiel inzwischen
kurzzeitig 1 bis 2cm großer Hagel, etwas östl. bei Öflingen/Wehr bis zu
3 oder 4cm großer Hagel - habe tags darauf nachgefragt bei Bekannten).
Ein weiterer kurzer Blick auf´s Radar ließ
mich dann entscheiden dieses Gewitter auf
freier Fläche zu beobachten. Dies erschien dann jedoch sehr schwierig,
es war schon fast über mir mit seinem Inflow Tail angekommen und erste
stürmische Böen setzten ein - um gute Fotos zu machen fuhr ich trotzdem los
in Richtung Wallbach (nur wenige Km). Das ganze wurde dann sehr spektakulär, obwohl
es trocken blieb: am Standort kam es zu weiteren sehr starken Böen, so dass
einige Gegenstände umherflogen (kleine Mülleimer, provisorische Straßenschilder,
kleines Geäst...), der Inflow Tail/Gust Front zog trotz der ganztags
sehr hohen Basis der ersten Gewitter nur gut 200m über meinem Kopf hinweg
und war dementsprechend sehr turbulent und rotierte nach Norden hin in Richtung
Basis des sehr großen Cbs ebenfalls. Auch die umliegenden nicht unbedingt
sehr hohen Berge des Juras und Hotzenwaldes waren teilweise wolkenverhangen.
Das ganze spielte sich gegen 20:00 Uhr ab.
Kurze Zeit später gab es eine tolle Sicht auf
den ganzen Cb-Komplex: durch die Aufhellungen
konnte man erkennen, dass der Cb bis in große Höhen sichtbar sehr schnell
rotierte (im Uhrzeigersinn) und ziemlich gewiss ein "Eigenleben"
führte - es war möglich die komplette
turbulente und rotierende Updraftzone zu beobachten
und wie dies dann weiter nördl. in eine Downdraftzone überging. Sehr schön
waren auch der Inflow Tail, Hagelfallstreifen und eine Wall Cloud zu beobachten.
Als die Zelle noch etwas weiter nordöstl. in den Hotzenwald hineinzog
war ein deutliches Absinken der Basis des Cbs zu erkennen mit recht intensiver
Rotation; zu Hause angekommen schien sich dort mit Blick auf das Radar
auch eine Art Hook Echo gebildet haben, zumindest war die Zelle an ihrerintensivsten
Stelle etwas nach innen gewölbt und dies muss sich gemäß der Beobachtung
eben zu jener Zeit nördl. von Murg/Laufenburg ereignet haben, als die
Rotation auf Blickkontakt am intensivsten war.
Zu erwähnen bliebe noch, dass es gegen 22:30
Uhr nochmals ein recht intensives Gewitter
mit schönen Naheinschlägen gab und von sichtbehinderndem Starkregen begleitet
war - alles in allem ein doch sehr ereignisreicher Tag...
Die Photos von Thies Stillahn
16.5., ca. 19:45 Uhr, Blickrichtung W,
Standort Bad Säckingen: langgezogener,
schmaler, fast diagonaler Streifen innerhalb (über?) der Gust
Front während Verstärkung der Zelle |
16.5., ca. 19:50 Uhr, Blickrichtung SW,
Standort Bad Säckingen: Inflow (Tail?)
der Zelle, sehr tiefe Gust Front, erste Rotationsbeob. - zu
sehen im mittleren Bild, diagonaler Streifen immer noch vorhanden |
16.5., ca. 19:30 Uhr, Blickrichtung W
(Basel, Grenzach), Standort Bad Säckingen:
erste Hagelfallstreifen, noch rel.
hohe Basis (erstes Bild der Zelle) |
Cu con/Cb calvus, entstanden durch
Gewitteroutflow über dem Hotzenwald; Aufnahme
in Bad Säckingen gegen 19:00 Uhr Richtung N
|
Aufnahme Richtung Lörrach W/NW -
zusammenrückende Cbs (19:00 Uhr) |
Aufnahme Richtung Lörrach W/NW -
zusammenrückende Cbs (19:00 Uhr) |