1.9.2002
Die starken Niederschläge mit tragischen
Folgen im Appenzellerland haben zu einer
Kontroverse zum Thema "Warnungen"
geführt. Eines ist sicher: je besser der Niederschlag gemessen wird,
umso besser sind die daraus abgeleiteten Vorhersagen und Warnungen. Zur Niederschlags-Messung
sind
Bodenstationen und
Radargeräte verfügbar. Bodenstationen
fehlen aber oft dort, wo man sie braucht, und Radargeräte haben
ihre eigenen Messfehler. Heute ist man der Ansicht, dass mit einer
Kombination
beider Systeme der Niederschlag am besten erfasst werden kann. Wie das
geschehen soll, ist unter den Forschern umstritten und ein Thema seit vielen
Wir möchten am Beispiel des Unwetters im Appenzellerland aufzeigen,
wie man die operationellen Systeme der MeteoSchweiz nutzen kann, um möglichst
aussagekräftige Niederschlagskarten zu erhalten.
Zunächst zeigen wir
unkorrigierte Regenkarten, welche aus den
Radarbildern der MeteoSchweiz gerechnet wurden. Die Karten zeigen 6-stündige
Niederschlagssummen vom 31.8.2002, 06 Uhr bis 1.9.2002, 12 Uhr. Vor Mitternacht
erkennt man zufällig verteilte lokale Niederschlagsmaxima, wie sie für
Gewitterlagen typisch sind. Nach Mitternacht werden die Niederschläge
grossflächiger und konzentrierten sich auf den Voralpenbereich der Zentral-
und Ostschweiz
Animation
der unkorrigierten Regenkarten, je 6 Stunden, 31.8.02/1.9.02
Die Regenkarte für die
gesamte Periode zeigt Maxima deutlich
über 200 mm:
Unkorrigierte
Regenkarte, 31.8.02, 06h - 1.9.02, 12h
Diese Maxima sind eher zu hoch, wenn man sie mit den Regenmessdaten in
der Region vergleicht. Man kann jedoch die Regenmesser nutzen, um die mit
den Radarmessungen berechnete Regenkarte zu korrigieren. Man vergleicht die
Bodenwerte mit den Radarwerten, welche über den Bodenstationen registriert
werden. Die folgende Figur zeigt die Messwerte der ANETZ-Station St. Gallen,
zusammen mit den Radarwerten über der Station, für die Periode
des Starkniederschlages in der Nacht vom 31.8. auf den 1.9.2002:
Zeitreihe
Regenakkumulation, Standort St. Gallen, 31.8./1.9.2002
Aus dieser Figur lässt sich herauslesen, dass die Radarwerte etwa
um einen Faktor 1.5 zu hoch sind. Also kann man die Radarwerte nach unten
korrigieren, umd zwar mit einem Faktor 1:1.5. So erhält man die
Korrigierte
Regenkarte, 31.8.02, 06h - 1.9.02, 12h
Nun sind die Maxima der Regensummen realistischer, nämlich knapp über
160 mm.
Fazit: ein Regenmesser an kritischer Position genügt bereits,
um die Radarwerte sinnvoll zu korrigieren. Die bestmöglichen Regenkarten
erhält man jedoch, wenn alle verfügbaren Regenstationen für
die Anpassung verwendet werden.