Der Jahresbeginn
war stürmisch. Am Nachmittag und Abend des Berchtoldstages zog
eine Sturmfront über die Nordschweiz. Insgesamt waren die
Windstärken und auch die Auswirkungen geringer als beim Sturm
Lothar vom 26.12.1999. Nichtsdestotrotz gab es vielerorts
umgestürzte Bäume, welche den Verkehr behinderten.
Die Kaltfront des über Deutschland hinwegziehenden Sturmtiefs
überquerte die Alpennordseite am Nachmittag des 2.1.2003. Erst
nach Frontdurchgang frischte der Wind auch in tiefen Lagen an
Sturmstärke auf. Die einfliessende etwas kühlere Luft war
zunehmend instabil geschichtet. So zogen nach 17 Uhr mehrere Schauer-
und Gewitterzonen über die Nordschweiz hinweg.
Die folgende Animation des ETH-Radars zeigt die Entwicklung zwischen 16
und 19 Uhr. Um 16 Uhr ist noch die Niederschlagszone der abziehenden
Kaltfront am östlichen Alpenrand erkennbar. Gegen 17 Uhr bewegte
sich dann eine erste Gewitterzelle vom Elsass her übers
Rheintal ostwärts in den Schwarzwald. Die Zelle erreichte
kurzzeitig die höchste Intensitätsstufe, was auf Hagelbildung
hindeutet. Nach 17:20 Uhr formierte sich dann im Aaretal eine zweite
Gewitterzone, welche sich auf südlicherer Zugbahn ostwärts
bewegte. Auch diese Zelle erreichte kurzzeitig die höchste
Intensitätsstufe.
Animation des ETH-Radars, 16-19 Uhr
Die Sturmböen im Raum Zürich erreichten bereits vor
Eintreffen der Gewitterzone Spitzenwerte (z.B. MeteoSchweiz: 33.3 m/s um
17:25 Uhr). Im Bereich der Gewitterzellen selbst gab es zum Teil
ausgeprägte Scherzonen, z.T. sogar Vortex-Signaturen. Als Beispiel
zeigen wir das Radarbild der Reflektivität und der
Dopplergeschwindigkeit um 17.30 Uhr:
Reflektivität
und Doppler-Geschwindigkeit des ETH-Radars um 17:30 Uhr
Man erkennt eine klare Vortex-Signatur bei Langenthal und eine etwas
weniger deutliche Signatur im Schwarzwald. Beide Signaturen sind an
Gewitterzellen gekoppelt. Im Dopplerbild sind die beiden Signaturen mit
einer weissen Pflaume markiert. Man beachte, dass die Signatur bei
Langenthal "gefaltet" ist. Die maximale Dopplergeschwindigkeit in dieser
Signatur war ca. 50 m/s oder 180 km/h. Das dürfte etwa der
höchste Doppler-Wert sein, der mit dem ETH-Radar registriert wurde.
Zur Erinnerung: beim Lothar-Sturm wurde ein Spitzenwert von knapp 60
m/s registriert.
Die operationelle
Windherleitung vom ETH Radar zeigte zwischen 16 und 18 Uhr starke
Winde an. Diese Windherleitung stammt von den
Dopplergeschwindigkeitsmessungen des ETH Radars. Die gerade
erwähnten, kleinskaligen Signaturen können in der
Auflösung des operationellen Modells nicht erkannt werden, doch
sind Studien geplant, diese Signaturen genauer anzuschauen. Die
folgende Graphik zeigt die von der operationellen Windherleitung
automatisch entfaltete
Dopplergeschwindigkeitsmessung. Darin
sind die Signaturen sichtbar und bieten die Grundlage für eine
(kommende) Analyse. Sie zeigen jetzt auch deutlich die maximalen
Windgeschwindigkeiten über 40 m/s.
Tornadoverdächtige Sturmfolgen wurden aus Erbach/Pfraunstetten bei
Ulm gemeldet. Dieser Standort ist ausserhalb des ETH-Radarbereiches
(120 km), aber gerade noch im Bereich des Radar-Komposits der
MeteoSchweiz. In der
Bildsequenz von 17.50 - 18.35 Uhr
erkennt man in der NE-Ecke des Bildausschnittes eine kurzlebige Zelle,
welche über die Region hinwegzog, und welche vermutlich
Auslöser der
Sturmschäden war. Wir danken
der MeteoSchweiz für die
Erlaubnis, die Radarbild-Sequenz an dieser Stelle zu zeigen.
Die Gewitterzüge erreichten schon fast sommerliche Intensität. Man kann schliessen, dass die Sturmspitzen stark von diesen Gewittern beeinflusst wurden, so dass grosse räumliche Variationen erwartet werden, ähnlich wie dies auch beim Lothar-Sturmder Fall war.