Am ersten grossen Gewittertag des Jahres zogen mehrere Hagelzellen durchs Mittelland. Lokal wurden Hagelkörner von Tennisballgrösse beobachtet. Mit dem ETH-Radar wurde vor allem eine Hagelzelle gut erfasst:. Die Zelle bildete sich um 18:50 Uhr bei Willisau, zog nordostwärts und schwächte sich erst nach 21 Uhr, nach Überqueren der Stadt Zürich, langsam ab.
Wir möchten in dieser Rückschau diverse Bildaufnahmen des ETH-Radars interpretieren und dabei auch auf die weniger gebräuchlichen und etwas speziellen Darstellungen der Dopplergeschwindigkeit eingehen.
Wir beginnen mit
der Helicity-Darstellung
des Windprofils des ETH-Radars, berechnet um 16:25 Uhr, also ca. 3
Stunden vor dem Auftreten des Unwetters. In dieser Darstellung wurde
die Bewegungsrichtung und die Geschwindigkeit einer "right-mover"
Superzelle wie folgt berechnet:
Richtung: aus 240 Grad (SW-WSW)
Geschwindikeit: ca.
5 m/s oder 18 km/h
In Wahrheit war
die Willisau-Zürich Zelle etwas
schneller, nämlich etwa 8 m/s oder 30 km/h. Die
Bewegungsrichtung hingegen stimmte gut mit der Vorausberechnung
überein. Das kann man der folgenden Animation der ETH-Radarbilder
zwischen 19 und 20 Uhr entnehmen.
Also ist die
Zugbahn der Zelle gegenüber dem mittleren Wind nach rechts
abgewichen, also in der Tat ein "right-mover". Infolge der
grösseren Zuggeschwindigkeit dürfte auch die "storm-relative"
Helicity grösser gewesen sein als vorausberechnet, wohl etwa im
Bereich von 100-150 m2/s2. Damit kommt man
durchaus in den Bereich, der für Superzellen typisch ist.
Aber war es auch eine Superzelle?
Ein erster
Hinweis hierzu gibt die Echoform: auf der Ostseite des Radarechos
erkennt man eine charakteristische und über längere Zeit
bestehende Einbuchtung: ein Hinweis auf eine sog. "weak
echo region" (WER).
Diverse
Vertikalschnitte (sog. "RHI's") durch die Zelle bestätigten die
Existenz einer WER, z.B:
Vertikalschnitt
(aufgenommen um 19:12 Uhr)
Vertikalschnitt-Sequenz
(leider lückenhaft)
Auffallend die grosse horizontale Erstreckung der WER: 10-15 km.
Auffallend auch
und instruktiv zu sehen, wie sich der Überhang
über der WER langsam senkt und am Schluss den Boden erreicht. Im
Überhang wachsen ja die Hagelkörner. Man kann also verfolgen,
wie sich die Hagelwachstumszone mehr und mehr nach unten gegen den
Boden hin ausbreitet. Unterhalb der Nullgradgrenze kann dann massives
Schmelzen der Hagelkörner einsetzen. Es kommt oft vor, dass sich
dann Wassertropfen lösen und mit dem Aufwind wieder nach oben
getragen werden. Diese Wassertropfen können dann das Zentrum von
neuen Hagelkörnern werden, sobald sie gefrieren und
Wolkentröpfchen angelagert werden.
Gab es auch Rotation?
Entscheidend
für eine Superzelle ist der rotierende
Aufwind (auch "Mesozyklone" genannt). Nur mit Radarmessungen der
Dopplergeschwindigkeit kann eine Mesozyklone nachgewiesen werden. Wir
zeigen nun mehrere Radarbilder (Horizontal und Vertikalschnitte) und
interpretieren die mit dem Radar beobachteten Doppler-Windfelder. Wegen
der sog. "Faltung" ist die Interpretation von Doppler-Messungen nicht
ganz einfach. Wir verzichten deshalb darauf, unsere Interpretation im
Detail zu begründen.
Horizontalschnitt
(PPI, 19:15 Uhr, 1 km über Grund)
Horizontalschnitt
(CAPPI, 19:12 Uhr, 5 km über Grund)
Und eine halbe
Stunde später:
Horizontalschnitt
(PPI, 19:45 Uhr, 0.5 km über Grund)
Horizontalschnitt
(CAPPI, 19:46 Uhr, 5 km über Grund)